Andreas Fux

DIE SÜSSE HAUT
8. November 2008 – 24. Dezember 2008

WIDMER+THEODORIDIS contemporary freut sich den Berliner Fotografen Andreas Fux im Projektraum ‘Ehegraben’ zu präsentieren. Gezeigt wird ‘Andre’ aus der Reihe ‘Die Süsse Haut’. Der gleichnamige Katalog ist im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin erschienen und zeigt die komplette Werkserie.

Für die Präsentation von ‘Andre’ hat sich Andreas Fux von der Stimmung und Situation im Ehegraben leiten lassen und einen grossformatigen Abzug hergestellt. Ähnlich einem Plakat wird dieser Abzug direkt auf die Wand befestigt und der Witterung im Ehegraben ausgesetzt. Eine Parallele zur verletzlichen und verletzten Haut von Andre ist nicht ungewollt, sondern unter-
streicht die Verletzlichkeit jeder Materie.

Mit ‘Die süsse Haut’ hat Andreas Fux eine Serie geschaffen, die in ihrer distanzierten aber nie unpersönlichen Ästhetik ein Thema umkreist, dass in dieser Eindringlichkeit selten beschrieben wurde. Hier werden keine Hochglanzmodels vorgeführt – der modische Catwalk der Selbstdarstellung fehlt. Was zu sehen ist, sind sensible Einsichten in eine Welt, die den Meisten verschlossen ist oder nur als plakative Idee existiert.
 

Zwar gehören Tattoos und Piercings unterdessen zum modischen Accessoire und Mainstream, aber selten werden sie in dieser Konsequenz angewendet. Und für Cuts und dem miteinhergehenden Blut fehlt dann meistens der Mut. Was treibt diese Menschen zu solch ritualisierten Handlungen?
 

Boris von Brauchitsch erläutert: „Ihr Handeln hat etwas Flehendes, wie der verzweifelte Versuch der Vergewisserung der eigenen Existenz. Vielleicht gerade deshalb wirken sie so zerbrechlich und verletzlich in ihrer scheuen Selbstentäusserung, die sie für sich, für andere und für die Nachwelt in Fotografien festgehalten wissen wollen. Ihre Körper sind ihr Leben, Ihre Geschichte und ihr Wunsch nach Eigenart in einer zusehends aseptischen und konformistischen Umgebung. Das Misstrauen gegen diese Welt wird beim Blick auf ihre Körper manifest, und plötzlich erscheinen die Tattoos, die man eben noch geneigt war als exhibitionistische Allüren zu betrachten, wie Elemente von Rüstungen und Abwehr äusserer Bedrohung. Sie sind nach aussen gewandte, archaische Zeichen für die Überwindung des Schmerzes und der inneren Ängste. Einmal einverleibt, können Angst und Schmerz einem nicht mehr anhaben. So werden die Tattoos zu Symbolen für eine erträumte Unverwundbarkeit. Und so rückt mit jedem neuen Tattoo auch die Möglichkeit, jemals wieder wirklich nackt zu sein, in weitere Ferne.“